Susanne Brokesch
Bateau Rouge
available on these digital Platforms
Susanne Brokesch (NY) is a Vienna born composer and DJ who is known for the complexly referential and meaningful fusion of ambient and techno styles with classical, folk and pop fragments – an atmospheric richness that has secured her a unique place in the international music scene.
Under the pseudonym Sil Electronics, she produced radically minimalistic tracks, which she published as EPs on Cheap Record (White Clouds, 1995) and legendary Finnish label Sähkö (Tal-S, 1996). Her debut album Sharing the Sunhat (1997) was highlighted by the music magazines Spex and The Wire. Further releases on tecno label Disko B (DJ Hell, Chicks on Speed) include So Easy, Hard to Practice (2003) and Emerald Stars (2006), on which she electronically reinterpreted works by the Austrian composer Hugo Wolf.
Susanne Brokesch’s last studio album Shallow Blues, released in October 2024, is a challenging condensation of her introspective attitude towards musical references and social contexts.
unexpected-music.com/susanne-brokesch
www.stanzalibretto.com/press
Susanne Brokesch :: Shallow Blues (Self Released)
Igloo Magazine: igloomag.com/reviews/susanne-brokesch-shallow-blues
Review by Christof Kurzmann (German)
Als ich mich in den 90er-Jahren erstmals intensiver für zeitgenössische elektronische Musik jenseits von Pierre Henry oder Karlheinz Stockhausen zu interessieren begann, musste ich mich zunächst durch einen Wust aus Techno, House und populärer Elektronik kämpfen. Erst dahinter öffnete sich ein Feld früher wegweisender Labels wie Warp, Mego, Mille Plateaux, Cheap, Metamkine, Rephlex oder Touch – Orte, an denen mich aufregend neue Klänge erwarteten.
Eines Tages dann die Meldung: Eine Österreicherin habe eine Aufnahme auf dem finnischen Label Sähkö veröffentlicht. Sähkö – eines der mythenumrankten Labels jener Zeit, Heimat genreprägender Musiker und Ensembles wie Ø, Bruce Gilbert, Mika Vainio, Jimi Tenor oder Panasonic. Die österreichische Szene hatte gerade einen riesen Sprung in Richtung internationale Sichtbarkeit gemacht, aber eine Frau, das war auch international zu dieser Zeit erst mal zu suchen, geschweige denn zu finden. Und nun lag dort eine Veröffentlichung von Sil Electronics mit dem Titel „Tal S”, die alles bisher Gehörte noch einmal zu revolutionieren schien. Radikal auf das Wesentliche reduziert, strömte ein Sound aus den Lautsprechern, der sich jeder Kategorisierung entzog. Keine erkennbare Verwandtschaft zu den Spielarten des Rock, aus dem viele andere damals noch hervorgingen, und ebenso wenig zum Jazz, der einem anderen Zugang bot.
Sil Electronics war, so schien es, abseits all dieser Einflüsse zu etwas Eigenständigem herangereift – einem Neuen, das, egal ob es laut oder leise gehört wurde, seine eigene Architektur entfaltete. Anders als andere Reduktionisten jener Ära, etwa Panasonic (später Pan Sonic), schien sie Hörgewohnheiten und gängigen Aufmerksamkeitstriggern bewusst auszuweichen und stattdessen eine Klanglandschaft zu erschließen, die zuvor niemand betreten hatte.
Nach diesen fast ausschließlich rhythmisch strukturierten, jedem Entertainment entsagenden frühen Arbeiten legte Susanne Brokesch schließlich ihr Pseudonym ab, veröffentlichte unter ihrem bürgerlichen Namen und erweiterte ihr klangliches Vokabular um Melodie. Synthesizer rückten in den Vordergrund; die Musik kam den Hörenden ein Stück entgegen, ohne je ihre eigenen Regeln zu verraten.
Nun ist unter eben diesem bürgerlichen Namen ein neues Album “Bateau Rouge” auf dem verdienstvollen Label Small Forms erschienen – eines, das die beiden Pole der Brokesch’schen Ästhetik auf exemplarische Weise vereint. Die Stücke “A” und “B” könnten ebenso gut unter dem Namen Sil Electronics erscheinen: träge, karge, schroffe, verzerrte Klänge, die immer dann, wenn sie ins Bekannte überzugreifen scheinen, wieder verschwimmen und am anderen Ende der Erwartung auftauchen. “Bateau Rouge” und “Vague” hingegen lassen wieder Farbe ins Spiel: hier eine kleine Melodie, dort ein Instrumentensample, vertrautere Sounds, die dennoch das Territorium des „Neuen” und „Spannenden” nicht verlassen. Auch sie folgen ihren eigenen rhythmischen Gesetzen – und schließen eine in Österreich lange offenstehende Lücke im Œuvre von Susanne Brokesch.
Mit ihrem neuen Album schafft es Susanne Brokesch, die beiden Aspekte ihrer musikalischen Identität miteinander zu verbinden: die unbändige experimentelle Radikalität der Sil Electronics und die melodiöse Zugänglichkeit ihrer späteren Veröffentlichungen. Es ist ein Werk, das die vielen Facetten ihrer Klangsprache versammelt und gleichzeitig ein weiteres Kapitel in der Entwicklung von Sil Electronics/Susanne Brokesch aufschlägt. Musik jenseits der Konventionen erdacht und dabei stets sein Publikum auf eine Entdeckungsreise mitzunehmen.
Bateau Rouge
A, B recorded at Château Rouge,Vienna
Bateau Rouge composed at Clanz, Triest
Release 19.11.25
Photo by Gustavo Petek
Produced by Small Forms